die Wiedervereinigung zu Peter Piek

Aus einer Inneren Notwendigkeit heraus wurden am 21.01.06 der Songwriter Peter Stone und der Maler Peter Piechaczyk wiedervereinigt unter einem Namen: Peter Piek.

Vor einigen Jahren als das mit Peter Stone anfing hatte ich generell die Tendenz zur Spaltung. Ich hatte mich als Wesen mit mehreren Seelenteilen erkannt und wollte dem genauer auf den Grund gehen. So beschloss ich denjenigen Seelenanteilen Namen zu geben von den ich eine Vorstellung hatte. Das war im Jahr 2000. Eine erste Erkenntnis, die dabei sehr deutlich wurde: Alles was nach Außen wirkt, wirkt auch nach Innen. Peter Stone fand in der Öffentlichkeit zunehmend eine Position. Das bedeutete eine Wahrnehmungsverschiebung sowohl innerhalb als auch außerhalb. Das Werk reflektiert nach Innen. Gewichtungen einzelner Seelenteile wurden damit in Frage gestellt. Für viele Leute war ich entweder nur Peter Stone oder nur Peter Piechaczyk. Dadurch war es sehr schwer mich im Ganzen zu begreifen. Der Maler konnte sich damals ein wenig von der Musik lösen. Ich war mit flächiger Malerei beschäftigt. Den musikalischen Aspekt konnte und wollte ich noch nicht ausreichend in die Bildern packen. Es entstanden sehr plakative statische und flächiger Bilder. Bilder von einer Klarheit, wie ich so wohl nicht wieder erreichen werde. Peter P. wollte malen. Peter Stone Musik machen. Sonst nichts.

Neben diesen beiden wichtigsten Seelenteilen gab es noch zwei weitere, die es geschafft haben, sich herauszubilden und Namen zu bekommen: Peter Stillman, Peter Sternkopf. (Ich hab einfach Namen genommen die mir gefallen.) ‚Name ist Name.’ (Zitat: Klaus Sobolewsky) Außerdem 'Urpeter', 'Mörderpeter'. Weitere entstanden hauptsächlich während der Arbeit am 1. Malfrontquartester und während des Schreibens am 'Das Malbuch'. So entstanden noch : Pete the edge (Kettensägenmörder) SMPP. (sevenmillionpowerpete (Superheld)). Beides Romanfiguren. Es war also sehr viel los. Ich wollte der Sache noch weiter auf den Grund gehen. Spannend war es allemal und ich war froh darüber diesen Punkt überhaupt erreicht zu haben und hatte einiges an Energie daran investiert.

Peter Stone dachte anders als Peter Piechaczyk. Hatte andere Vorlieben. Hatte andere Freunde. Hatte einen anderen Geschmack. So wie ich live auf der Bühne anders bin als zu Hause im Atelier. Je mehr Personen ich entdeckte und versuchte frei zu schaufeln, desto schwieriger wurde es damit zurrecht zu kommen. Sicher hätte irgendwann der Punkt kommen können an dem die Sache kollabiert wäre, aber ich hatte nie das Gefühl krank zu sein oder ähnlich. Im Gegenteil. Ich denke, dass nur wenige Menschen in diesen Zustand gelangen können. Ich habe es als Chance begriffen. Man kann sich dem auch versperren und dann passiert nichts. Man muss sehr offen sein für sich selbst. Man muss es fließen lassen können und darf nicht vor sich selbst erschrecken. Viele behaupten, dass sie sich selbst gut kennen. Dann denke ich: ‚Wow. wie viele sind es bei dir?‘ Und dann bekommt man die Antwort: ‚Was meinst du‘ und dann muss ich immer widersprechen und sage: ‚Nein Nein. Du bist viel mehr als du denkst und ahnen kannst. Glaub mir. Und du kannst noch viel mehr sein als das‘.

Deswegen verstehen es wohl auch nur die wenigen, die schon Jemanden in sich erkannt haben. Man kann es auch eher schlecht erklären, da es sich um Gefühle handelt. Wenn man Schauspieler ist und eine Rolle spielen soll. Was macht man? Man sucht in sich selbst und schaut ob jemand da ist, der gut auf die Rolle passt. Wenn man ein guter Schauspieler ist, dann findet man sie. Man setzt nichts auf dabei und ist man selbst. Dann versucht man ganz zu dieser Person zu werden. (Was man eigentlich nach meiner Erfahrung nie tun sollte. Aber der job will es so. Da muss man gut jonglieren können). Es hat eine Menge vielschichtiger Erkenntnisse gebracht, die plötzlich unglaublich einfach waren und offensichtlich. Ein Beispiel: Im 1sten Malfrontquartester ging es um eine Serielle Arbeit von Selbstportraits auf kleinem Format. Ich hatte 12 Bilder gemalt. Eine homogene Serie mit einer deutlichen Entwicklung zur Auflösung der Fläche. Mit Titeln wie ‚Selbstportrait als Schmetterling’. Ich dachte, dass wäre das Gröbste gewesen. Dann aber hatte ich das Gefühl, dass etwas, wenn ich ganz ehrlich bin, fehlt. Ich malte noch zwei Bilder: ‚Selbstportrait als Mörder‘ und als letztes ‚Selbstportrait als Mensch‘. Zwei Bilder, die sich sehr stark von der Serie von 12 unterscheiden. Gestischer und viel Hässlicher. Es war gemalt. Es hing an der Wand und war da. Ein Mensch? Ok. Das bin ich dachte ich. Aber bin ich auch ein Mörder? Das war die Frage. Aber ich hatte es gemalt. Und ja. Es stimmt. Das bedeutet nicht, das man vor mir Angst haben muss. Nein Nein. Außer Stechmücken und gelegentlich einer Fliege, wenn sie mich nervt (und nicht all zu groß und eklig ist) oder einer Schnecke, die ich ausversehen überfahre, töte ich nichts. Und trotzdem: Alles was lebt tötet. Immer. Ständig. Ich brauche Raum. Wo ich bin kann niemand anders sein. Töten ist eine Bedingung des Lebens. Ein Urgesetz der Natur. Schließlich brauche ich etwas zum Essen. Ich bin kein Vegetarier. Es macht ja auch Spaß. Pflanzen sind auch Lebewesen. Und ich bin Hungrig. Und ich will leben. Der Mörder ist tief in mir eine Teilpersönlichkeit. Und ich kann euch sagen: Ihr habt ihn auch in euch. Jeder. Ausnahmslos. Gut. Da hätten wir dann noch den Aspekt des Mörders innerhalb der Art. Der Seelenanteil dieses Mörders ist bei der, der ganz weit unten ist. Alle anderen stehen über ihm. Und ich bin verdammt froh das es so ist. Das bedeutet: Wenn ich je in eine Situation kommen würde in der mein Leben unter wirklich akuter Gefahr steht. Und alle anderen Seelenanteile ratlos sind, dann weiß ich. Dann ist er da. Um mein Leben zu retten. Er ist in diesem Zusammenhang kein Mörder, sondern ein Seelenanteil, der den Mord als letzte Konsequenz nicht ausschließen würde. Ein Beispiel von vielen.

2003 entstanden die ersten rein rhythmischen Bilder. Reduzierte lineare Bilder mit einfachen Rhythmen. Tanzende, die wie eine Schlagzeugspur aussehen (Nummernbilder 9-24). Das führte zu einer Spaltung auch in der Malerei zwischen Rhythmusbildern und flächigen Zeichnungsbilder (hauptsächlich Zwei Köpfe' & 'Abstürze mit drei'). Bilder mit organisierter Struktur und Stimme. Es war schwer kontrollierbar zu dieser Zeit. Ziemlich wirr. Es war für mich nie eine Belastung und führte dennoch zu Problemen. 2003 bis 2004 war auch die Zeit der Hauptspaltungsphase. Ich wollte es so und ich wollte das alles ausloten und hatte eine Grenze erreicht. Zunehmend schwerer war es die einzelnen Seelenanteile zu respektieren, da sich außerdem noch neue unerforschte Anteile andeuteten. Obwohl ich mit den Ergebnissen dieser Zeit sehr zufrieden war, wollte ich etwas Neues. Ich merkte, dass ich mit meinen Arbeiten nur dann wirklich meine Ziele erreichen kann, wenn ich alle meine Fähigkeiten addiere.

Wie ich heute weiß, begann ich 2004 die Wiedervereinigung vorzubereiten. Lösung im Bild: die Ebene. Sie ermöglichte es mir sowohl Struktur, Rhythmus, Farbe und Stimme zu vereinen. Ich schrieb zunehmend malerische Songs. Songs die nichts sein wollten als sie selbst. Songs über Farben und gestische Schwünge. Problem war und ist: die Gewichtung der einzelnen Komponenten zueinander. Meine Bilder heute sind gemalte Songs. Ich male, wie ich einen Song schreibe.

Trotzdem kam die Wiedervereinigung überraschend. Und es ist jetzt nicht so wie früher. Sie sind ja alle noch da. Wo sollten sie auch hin sein. Aber ich habe das Bewußtsein gewonnen Eins zu sein. Das ist es. Ich habe mit der ganzen Sache auch so etwas wie eine Philosophie mehr in das Bewusstsein gerückt. Die lautet in etwa so: Befreiung -> Wiedervereinigung Also: Befreiung von Überflüssigem. Befreiung vom Missbrauch. Befreiung von Ferne. Befreiung von Ballast. in der Malerei. überall. Dadurch müsste ein neues Sehen möglich werden. Ein neues Wahrnehmen. Ein tieferes Empfinden. Eine neue Nähe. Wiedervereinigung. Womit? Mit sich selbst. Da muss man Anfangen.

Peter Piek, Leipzig, den 06.02.2006