ueber Naehe und Ferne in Malerei und Gesellschaft

Die Malerei von Malfront ist 'Nahe' Malerei.
Sie ist im Besonderem durch Naehe charakterisiert.
Alle Emotionalitaet, alle Wildheit, alle Entschlossenheit aber auch alle Ruhe werden direkt,
und ohne technische Hilfsmittel, sondern mit dem Pinsel, als Verlaengerung des Armes oder mit Haenden und Fuessen direkt aus dem Kopf,
dem Herzen, dem Bauch heraus auf das Medium Leinwand gebracht. Das ist Naehe.
Leider neigt man in vielen Bereichen der gegenwaertigen Malerei und der modernen medialen Gesellschaft sehr zur Ferne.
Naehe zur Malerei zu sich selbst und zu anderen ist kompliziert. Aber darin liegt gerade das Grossartige.
Das unglaublich Schoene. Denn das was zaehlt, ist nicht die unbedingt die Zahl der Eindruecke, sondern deren Intensitaet.
Ebenso habe ich zunehmend das Gefuehl, dass die Sensibilitaet fuer intensives Empfinden in der Gesellschaft
und damit auch fuer Malerei zunehmend verloren geht.
Das kann dazu fuehren, dass Betrachter 'naher' Bilder diese nicht als ebenso nah empfinden oder gar empfinden koennen.
Im Gegenteil werden Betrachter naher Bilder, die Ferne als gewoehnt und nicht stoerend empfinden diese nahen Bilder als fremd wahrnehmen.
Das freizuschaufeln und frei zulegen kann Malerei leisten. Dazu muss Malerei nah und frei sein.
Und dazu muss sie erneut befreit werden.
Malerei, die Ferne propagiert indem sie mit dem Mittel der Fotografie als Malvorlage und mit auf die Leinwand projizierten Vorlagen kuehle Bilder schafft,
ist Ferne Malerei, die unsere abgestumpfte agressive Gesellschaft gut charakterisiert. Hier liegt auch die Leistung dieser Malerei,
und der Maler die diese als erste vollbracht haben.
Nachdem das aber nun erkannt ist, kann es nicht das Ziel nachfolgender Malergenerationen sein,
auf dieser fernen Malerei herumzureiten. Im Gegenteil sollte man eine nahe Malerei schaffen,
die in der Lage ist den Menschen Naehe zu zeigen. Naehe, die viele vergessen haben.
Naehe, von denen viele nicht wissen, dass sie ueberhaupt existiert.
Ganz und gar nichts gegen gute Fotos und gute Fotografen! Aber? In der Malerei!
Was geht verloren, wenn man beispielsweise eine Landschaft, sagen wir den Grand Canyon, von einem Foto abmalt.
Meiner Meinung nach fast Alles. Was kann das Foto als Malvorlage bieten?
Was kann es wiedergeben von einem gewaltigen nicht virtuellen Eindruck dieses Naturwunders?
Wenn ich als Fotograf den Grand Canyon fotografieren wollte, kaeme ich doch auch nicht auf die Idee,
in einem Naturkundebuch nachzuschlagen, und das kleine Foto dort abzufotografieren. Was man machen kann. OK!
Aber dabei entgeht einem der Geruch der Luft. Die genaue reichhaltigere Zusammensetzung der Farben.
Die Moeglichkeit sich umdrehen zu koennen und immer noch da zu sein. Die gefuehlte Temperatur auf der Haut.
(Den Wind in den Harren.) Das alles traegt bei zu einem grossen Reichtum an Eindruecken. Malerei braucht diese Information.
Braucht diese Tiefe. Ich will mehr als ein grossgezogenes kleines Foto! Sehen. Darum geht es.
Malerei hat den Auftrag, Menschen in Bezug auf Wahrnehmung weiter zu bringen.
Missstaende sichtbar zu machen, und! Loesungen anzubieten und aufzuzeigen.
Jedes technische Element zwischen dem Kuenstler und dem entstehenden Werk
birgt die Gefahr der Ferne. Das macht Malerei, so wie ich sie verstehe, heute wichtiger, den je.
Malerei an die Front!

(Peter Piek 12/.2004)