ueber Lange-weile und Kurze-weile

Vor einer Weile, also gestern gab es keinen Strom. Nichts funktionierte mehr. Aber da bin ich ungerecht. Denn es war hell, und die Bilder. Siehe an, sie waren alle noch da. Ja und sie funktionierten auch ohne Strom. Das war toll. Diese Feststellung. Auch konnte ich Gitarre spielen (jedenfalls unverstärckt). Ja und was mir da Aufgefallen ist, wie ich so gitarrespielend auf die Bilder schaute merkte ich: Das ist verdammt langweilig. Die Zeit verging einfach nicht. Minuten verstrichen. Stunden. Ich wurde gequält. Zur Auseinandersetzung. Die Weile war sehr lang. Ich wurde gefordert. So ein Bild kann man nicht einfach so anschauen. Man muss denken. Kommunizieren. Es ist nicht einfach. Einen Song zu spielen ist auch Langeweile. Sehr extrem sogar. 4 Minuten intensiv gelebte Zeit. 4 Minuten in denen ich 10 Finger, 2 Arme und 2 Füße im Takt bewege und singe und atme und die Augen aufhabe und das Bild sehe und wahnsinnig viele Farben und Linien, Flächen, und dann riecht es auch noch und Blätter rascheln draussen im Wind, und dann kommt auch noch eine Fliege angeflogen und das alles zur selben Zeit und ich wundere mich über den grünen Kreis im Bild der wie ein Ohring aussieht.
Da ist einiges in Bewegung. Man nennt es wohl Emotion. Langeweile ist also intensiv verlebte Zeit.
Das schreckliche Gegenteil ist die Kurzeweile. Stunden vorm Fernseher, und alles was bleibt ist das nichts. Ok hier und da eine Errinnerung. Aber das ist es dann. Sinnlos. Man schaltet sich ab, bringt sich weg von dem Problem der eigenen Existenz. Sicherlich reizvoll. Langeweile ist bewußtes erleben, also wahrnehmen, spüren von Zeit. Das kann natürlich nicht nur schön sondern auch schmerzvoll sein. Man hat die Möglichkeit zu verändern. Leben nach dem Tod? Ich galube nicht daran. Kann ja sein. Vielleicht. Immer noch kein Grund das hier und jetzt zu verachten. Kurzeweile ist Selbstverachtung. Ich liebe die Langeweile. Sie gibt dem Leben Sinn und macht es lebenswert.
Peter Piek am 26.04.07