Zwischen den Räumen (Interview im Schweizer Kinky Magazin, November 2010)
Raum, öffentlicher Raum, Zwischenräume, die es zu entdecken gilt, leerstehende Räume - dies sind Themen, die das Schaffen von Maler und Musiker Peter Piek stark beeinflussen.
So passt denn auch der Treffpunkt, den wir eher zufällig und aus Mangel an Alternativen gewählt haben, wunderbar zum Inhalt des Gesprächs. Wir sitzen auf einer Steintreppe, hinter uns die ausrangierten Gleise des alten Güterbahnhofs, vor uns die mächtigen Kamine einer Kehrichtsverbrennungsanlage. Ein ruhiger Fleck im öffentlichen Raum, den Peter Piek als er auf mich wartet, gleich nutzt, und mich mit umgehängter Gitarre empfängt. Ein schlacksiger Typ in den Zwanzigern, sympathisch, ruhig, der immer mehr aufblüht, je länger das Gespräch hinter den Geleisen über seine Leidenschaft zur Kunst und seine Projekte andauert. Doch alles ganz von vorne.
kinki magazine: Peter, deine Bilder entstehen gleichzeitig mit der Musik, und umgekehrt. Wie muss ich mir den Entstehungsprozess deiner Kunst vorstellen?
Peter Piek: Ich habe zuhause ein Atelier, daneben gleich meinen Proberaum. Ich wohne auch da, und beweg mich zwischen den Räumen hin und her. Es ist ein schöner Ort zum Schaffen. Ein Song braucht Zeit zum Entstehen. Es gibt Songs, die schreibe ich in einer Viertelstunde, aber viele brauchen einfach ihre Zeit, die entwickeln sich dann parallel zu den Bildern. Es kommt zum Beispiel vor, dass ich Textfragmente auf die Bilder schreibe, diese dann für die Songlyrics wiederverwende oder eben auch umgekehrt. Es kann auch sein, dass ich zuerst eine Idee für das Bild entwickle und diese dann auf die Musik übertrage. Der Entstehungsprozess ist immer unterschiedlich. Aber da ich quasi mit beidem zusammenlebe, ist die Vermischung sowieso immer da.
Wenn du Musik hörst, sieht du automatisch Muster und Farben? Oder anders gefragt, kann man Farben hören?
Ne, es ist nicht so das ich zwanghaft Farben höre ob ich will oder nicht. Ich kann es quasi aus und anschalten und kann mir Musik aus Konstrukt von Ebenen, Mustern und Farben vorstellen. Ich kann das hier alles in wenigen Sekunden gedanklich anmalen und das dann auch hören wenn ich will.
Dein Ausstellungskonzept beinhaltet das audiovisuelle Erlebnis deiner Kunst. Die Leute hören also deine Musik, während sie deine Bilder betrachten?
Genau, in die Richtung soll es gehen. In meiner letzten Ausstellung habe ich Bilder zu den dazugehörigen Songs gezeigt. Da lagen Kopfhörer, die konnte man sich nehmen und zu den Songs die Bilder anschauen. Ich habe begonnen die Songs auseinander zu nehmen und mich dann im Bild auf bestimmte Elemente, zum Beispiel den Bass, zu konzentrieren. Ich stell mir einen Raum vor, wo man zum bestimmten Bild dann auch immer nur die einzelnen Tonspuren hören kann, die man auf dem Bild sieht, dann kannst du am Ende in Musik herum gehen, auch in den Mischungsverhältnissen. Und da würde man dann auch die Bildsprache, die ich entwickelt habe, ganz einfach verstehen. Ich will aus den Kräften, die ich in den Zwischenräumen von Malerei und Musik vermute, das hervorholen was ich kann.
Hat dein sehr moderner Ausstellungsansatz auch mit unserer immer multimedialer werdenden Welt zu tun? Man schaut fern und surft dazu im Netz etc.
Ja, ich denke schon, dass das irgendwie zusammenhängt.
Glaubst du, dass es einen neuen Ansatz braucht, um die Leute ins Museum zu holen? Reicht denn eine einfache Kunstausstellung nicht mehr?
Ich weis nicht. Darüber mache ich mir keine Gedanken. Das Museum ist ja auch nur ein Ort von vielen wo Kunst wargenommen werden kann. Ich mein jeder Baum ist ein verdammtes Kunstwerk. Ich finde Kunst wird überbewertet. Ich mein letztens auf der Autobahn, der Regen, die Sonne, der Regenbogen, diese riesigen Wolken 500 meter über einem dann noch mal 1000 meter hoch und was weis ich wie breit und dann ständig in bewegung, vergänglich, immer neu. Das reine Leben. Ich weis nicht ob jemals jemand ein Kunstwerk schaffen kann was besser ist als jede 5. Wolke. So simple Zutaten. Luft, Wasser, Energie, absolut magisch. Im Museum können Menschen für Kunst sensibilisiert werden. Darum geht es und das ist super und extrem wichtig. Aber Es wäre natürlich schön und auch wichtig, die Leute zu erreichen, die sonst nicht ins Museum gehen, egal was auch immer da tolles passiert. Diese Menschen sind ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft. Ich weis nicht ob das mit anderen Museumskonzepten gelingt die es ja auch zur genüge gibt. Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Deshalb zieht es mich mit meinen Ideen auch immer wieder in den öffentlichen Raum. Oder eben auch in den Raum den die Musik in der Gesellschaft hat.
Dein Name wird in Verbindung mit dem Begriff des „Musikbegleiteten Action Paintings“ genannt. Ist das ein Begriff, den du so geprägt hast?
Den Begriff habe ich noch nie gehört:) Aber er gefällt mir und trifft den Kern sehr gut.
Wir hatten ja damals bei Malfront mit Malaktionen begonnen und wie es scheint mache ich jetzt mit Hilfe der Musik damit weiter. Ich versuche die Malerei auch live auf der Bühne zu betreiben. Zum Beispiel hab ich schon während eines Konzerts ein Bild gemalt, das lag auf dem Bühnenboden und ist dann quasi in Interaktion mit der Musik entstanden. Oder letztens hab ich an einem Festival gespielt, das war ein cooles Ding. Da haben wir den Leuten im Publikum einen weissen Ganzkörperanzug angezogen, der dann von mir bemalt wurde. Irgendwann hat sich die Aktion verselbständigt und die Leute malten sich gegenseitig an. Alle hatten sehr viel Spass dabei. Das fand ich gut. Also naja, es hat mir als Maler natürlich auch ein bisschen weh getan, weil es nicht mehr das Bild war, wie ich es hätte haben wollen. Das ist ein weites Feld. Ich arbeitete daran.
Worin unterscheiden sich für dich Musik und Malerei denn am ehesten, abgesehen von der technischen Herangehensweise?
Man nimmt Musik und Malerei zwar anders war, das führt aber eigentlich nicht zu einem Unterschied. Letztendlich geht es ja darum was vermittelt wird und nicht wie.
Gibt es bestimmt Stimmungen oder Gefühle, die du eher durch Musik oder Malerei ausdrücken möchtest?
Ich versuche einfach meine Gefühle auszudrücken. Ob dann Musik oder Malerei herauskommt ist eigentlich nicht so wichtig. Dann könnte man dann auch zu Malerei tanzen und so etwas alles.
Schaut man sich deine Bilder an und hört dazu deine Musik, ist da eine Diskrepanz. Deine Stimmt klingt sehr zart, hoch und zerbrechlich, deine Bilder hingegen sind sehr bunt und stechen ins Auge. Lebst du in der Musik in der Malerei zwei verschiedene Gefühlswelten oder Persönlichkeiten aus?
Ich höre das oft. Aber ich empfinde das selber nicht so. Jeder nimmt natürlich das was ich mache durch sich und damit anders war. Zudem ist auch noch die übersetzung Musik in Malerei so wie ich das verstehe nicht bekannt. Ich persönlich finde das meine Musik und meine Malerei in dem was sie sind identisch sind. Jedenfalls ist es das was ich anstrebe. Die Musik ist genauso plakativ und entschieden oder unplakativ und unentschieden wie meine Malerei. Je nach dem. Die klare Bildaufteilung in der untersten Flächenstruktur, das hast du im Song auch in Strophe und Refrain, Meine Bilder sind auf jeden Fall Songs. Keine Klassik, Kein Jazz. Die Songstruktur ist wichtig im Bild. Die Stimme ist eher das zeichenhafte welche wiederum auch in meinen Bildern zart aber klar ist. Wie die gezeichnete Linie, dünn aber klar. In den Bildern sowie in den Songs strebe ich nach höchstmöglicher Auflösung, deswegen die bunten Farben. Die bestimmen den Sound.
Hörst du Musik wenn du malst?
Ne, ne, ich hör oft Radio, gesprochene Texte, alles andere würde ablenken. Wenn ich male, mache ich selbst Musik. Aber ich hatte mal eine Phase, in der ich bestimmt Lieder abgemalt habe. Da hab ich Musik gehört und mich voll darauf konzentriert und versucht die Musik bildlich umzusetzen.
Du bis sehr aktiv, spielst viele Konzerte, bist in viele Projekte involviert und hast einen künstlerischen Output, der für eine Person erstaunlich ist, worum ging es bei deinem Projekt "Malfront"?
„Malfront“ war eine unabhängige Künstlerinitiative, die aus nur zwei Künstlern, Michael Goller und mir, bestand. Wir etablierten ein unabhängiges Malereistudium. Wir dachten uns es wäre an der Zeit Malerei erneut von Malerei zu befreien. Wir wollten befreien von all dem was Malerei unserer Meinung nach nicht braucht. Dieser ganze Balast der das was Malerei für uns bedeutet gar nicht mehr sichtbar werden lässt. Darum ging es und das musste herausgemalt werden.
Welche Disziplinen umfasste das Studium?
Das Studium war in drei Teile unterteilt. Grund- Mittel- und Hauptstudium. Das Grundstudium wiederum war in 8 Trimester unterteilt das sich jeweils einer von uns selbst gestellten Aufgabe widmete. Im einen Trimester ging es zum Beispiel darum, möglichst hässlich oder möglichst gestisch zu malen. Wir haben vieles ausprobiert, uns zum Teil auch zu Dingen gezwungen die man sonst nicht gemacht hätte. In Malaktionen des Grundstudiums haben zum bsp unter Lichtausschluss gemalt, die Dunkelbilder, oder mit den Füßen gemalt. Einfach um freier zu werden. Um Kontrolle zu verlieren und zu lernen wie sich das Bild von sich aus aus sich selbst heraus malt. Das Zwischenstudium widmeten wir ausschliesslich dem Dialog. Wir schuffen gemeinsam dialogische Bildserien. Zu einer Bildserie ist dann noch ein dialogisches Buch entstanden. Ein Buch mit dem Titel "Die Puppenspieler" Überhaupt schrieben wir zu jedem Studienpart noch ein Buch. Das war eigentlich nicht vorgsehen hat sich dann aber so ergeben. Alle Bücher bilden eine Trilogie. Die Heiland Trilogie. Im ersten Buch "Das Malbuch" in dem das Grundstudium reflektiert wird hält eine Ausserirdische Macht namens Klara die Erde mittels visueller Strahlung die über Bilder versendet wird unmerklich in Schach. Die schrecklichen Bilder die dir Energie absaugen. Bis dann zwei Typen im dunkeln malten, dadurch von der Strahlung befreit waren und dadurch malerische Strukturen schuffen die wiederum andere berfreien konnten. Das Malfront-diplom erreichte ich dann mit meinem ersten komplexen Werk aus Musik und Malerei. "Peewee Princess Of The Dau And Deh". Das Malfrontstudium war ein kompletter Gegenentwurf zum Studium an einer Kunsthochschule der gezeigt hat das es besser ist Malerei ernstzunehmen als die dortige Hierarchie.
Was hat es mit dem Peter Piek Zentrum für Kultur PPKZ auf sich?
Die Idee des PPZK hatte ich schon sehr lang. Ich war immer ein Träumer und in Ostdeutschland gibt es viel Raum. Es gibt viele Leerflächen und schon als Kind hab ich mir überlegt, was man damit machen könnte. Das PPKZ soll Räume schaffen, wo verschiedene Kunstformen auf einer Ebene zusammenkommen können. Wo es einen wirklichen Dialog zwischen den Künsten gibt. Ein Raum wo jede Kunst ernstgenommen wird. Ich finde das so etwas fehlt. Ein Raum, eine Idee, die Kunstformen auf einer Ebene zusammen bringt. Erst dann kann ein Dialog entstehen der Zwischenräume sichtbar machen kann. Ein Dialog aus dem Neues enstehen wir. Das ist das hauptanliegen. Das PPKZ ist offen für Ideen. Viele der Beteiligten kommen aus einer anderen Ecke: Mode, Videokunst, Musik, Malerei, Schreiben, aber da sind auch Leute aus der Wirtschaft oder welche die im sozialen Bereich arbeiten dabei. Das ist auch, was mich an der Kunsthochschule total genervt hat, dass das ganze System total elitär aufgebaut ist, an der Kunsthochschule wird dir gesagt, ihr seid jetzt die Auserwählten, ihr habt es geschafft hier angenommen zu werden. Das ist ja total lächerlich. Ich finde es schade, dass dieser elitäre Ansatz so viele Leute ausgrenzt. Er grenzt alle aus, die vor einem Bild stehen und das Bild nicht verstehen, oder das Gefühl haben, es nicht zu verstehen, weil sie a priori mit dem Gedanken rangehen, es verstehen zu müssen, was ja nicht stimmt. Man muss Kunst nicht verstehen. Man sollte das alles ein bisschen lockerer sehen, dann könnten alle viel mehr davon profitieren.
Du möchtest mit dem PPZK einen demokratischen Raum für Kultur schaffen. Sei es in Bezug auf den Betrachter oder den Künstler selbst?
Auf Beide. Der Betrachter ist uns wichtig. Und er fügt es ja letztendlich zusammen. Nur der Betrachter kann das was ich will vollenden. Sozusagen ist auch der Betrachten ein Künstler. Wir wollen es ihm nur so leicht machen wie es geht.
Du musst ein Freak sein"
Interview der Leipziger Volkszeitung LVZ mit Peter Piek ueber das PPZK Songwriterfestival (Nov.2010)
1. Das Festival findet bereits zum dritten Mal statt. Wie zufrieden sind die Macher mit dem, was sie geschaffen haben?
Sehr zufrieden. Ich freue mich riesig auf das festival. Das festival im Horns Erben war immer sehr gut besucht. Jetzt findet das Festival parallel auch in Dresden und Berlin statt. Das ist ein Erfolg über den ich mich freue und mit dem ich nicht umbedingt gerechnet hätte. Ausserdem hab ich endlich die Veranstaltung zu Hause auf die ich immer gehen wollte.
2. Was hat es mit der Ausweitung auf Berlin und Dresden auf sich? Besteht Grund zur Sorge, dass internationale Künstler in Zukunft Berlin favorisieren und Leipzig links liegen bleiben könnte?
Die Sorge besteht leider und ist doch wenn man erhlich ist sogar alltag. Unsere tolle Stadt ist im Ausland nach meiner Erfahrung leider nicht sehr bekannt. Nur wenige Internationale Bands kommen nach Leipzig und haben meist nur die 4 grössten deutschen Städte im Tourplan. Je mehr es uns aber gelingt das Festival auszubauen desto besser wird es uns auch gelingen interresante internationale Songwriter nach Leipzig zu holen. Wir erreichen mit dem Ausbau des Festivals nach Dresden und Berlin eine höhere Anziehungskraft welche sich positiv auf Leipzig auswirken wird. Leipzig hat potential zu mehr. Wenn es das Publikum denn will.
3. Mit Künstlern aus Oslo, Austin, London und New York ergibt sich ein sehr internationales Spektrum. Was eint die Künstler, was unterscheidet sie? Wie schwer ist es, sie nach Leipzig zu holen?
Auch wenn die Reisekosten von Austin und New York recht hoch sind, war es nicht schwer diese Künstler zu buchen. Vor allem weil ich sie alle persönlich kenne. Danny Malone hatte ich im Frühjahr zuletzt in Austin und Ian Fisher in New York getroffen. obwohl ich damals noch nicht wusste ob das festival überhaupt stattfinden wird, hatte ich ihnen schon davon erzählt und sie neugierig gemacht.
4. Gibt es einen absoluten Favoriten? (Einen, über dessen Teilnahme alle hocherfreut sind?)
Ich freue mich auf alle Künstler. Am meisten freue ich mich, das gebe ich zu, auf Tim Neuhaus und Danny Malone. Für mich ganz klar Songwriter von Weltniveau.
5. Worin besteht die Kunst heute Singer/Songwriter zu sein?
Du musst ein beklopter Freak sein. Es lange auf der strasse aushalten. Du musst sehr offen sein. Es darf dich nicht stören nicht zu wissen wo du heute übernachtest. Man muss aufhören verrückte Situationen zu hinterfragen. Damit klar kommen gefühlsmässig achterbahn zu fahren. Du musst immer versuchen das beste aus der Situation herauszuholen. Du musst es ok finden deine Katze ein vierteljahr nicht zu füttern. Deinen Wohnungsschlüssel nicht mit auf Tour nehmen können. Du musst dich mit den Songs entwickeln, sonst kannst du sie irgendwann nicht mehr spielen. Du musst viele Dinge loslassen können von denen man nicht mal wusste das man sie hatte. Das ist nicht so einfach. Dafür wird man aber belohnt. Und das ist das Schöne daran, und wenn du das einmal hast. Kommst du davon nicht mehr los. Vor allem musst du Songs schreiben wollen. Und wie beim malen nichts dabei wollen. Wollen ohne zu wollen. Wenn man das alles kann und nebenbei auch noch Singen und ein instrument spielen, dann denke ich hat man alles um ein guter Songwriter zu werden.
6. Peter Piek, was waren denn eigentlich die Songs ihrer Nachbarschaft, die sie dazu inspieriert haben, das Festival zu gründen?
Mich hat eher inspieriert keine Songs in meiner Nachbarschaft vorzufinden. Das Songwriterminifestival ist genau die Veranstaltung wo ich gerne hingehen würde. Ich versuche einfach eine Welt zu schaffen wie ich sie will. Ich freue mich auf das Festival. Auch als Inspirationsquelle.
7. Wer sind heute Ihre musikalischen Vorbilder?
Danny Malone, Tim Neuhaus und Ian Fisher, die alle auf dem Festival spielen, gehören dazu.
8. In der Vergangenheit haben Sie gern mit Identitäten experimentiert. Ist die Zeit der Spaltung nun vorbei?
Ja auf jeden Fall. Das war eine gute Zeit, aber jetzt bin ich Eins und es gibt kein zurück mehr für mich. Der Weg des Peter Piek ist begonnen. Zurückzulaufen macht keinen Sinn. Selbst wenn ich wöllte. Hinter mir ist der weg schon lange zugewachsen. Ich stehe am Anfang und trotzdem schon mitten drin und kann nur eine sinnvolle sache sehen, einen kleinen funken Licht am horizont der mich ermutigt weiter zu gehen. Dieser kleine Funke Licht sagt mir das auf der suche im Zwischenbereich Malerei und Musik etwas Neues bis jetzt ungesehenes entstehen kann. Und dafür macht es Sinn zu Leben und Peter Piek zu sein.
9. Ihr Name ist eng mit dem Schlagwort "Klanggemälde" verwoben. Was kann die Musik, was die Malerei nicht kann und vice versa?
Am meisten können sie wenn sie beide zusammenkommen.
10. Wenn Ihnen jemand eine Pistole auf die Brust halten würde und Sie sich zwischen Musik und Malerei entscheiden müssten. Was würde gewinnen?
Ich werde oft gefragt was ich ob ich denn lieber male oder lieber Musik mache. Für mich ergibt die frage keinen Sinn. Da Malerei und Musik für mich zwei Worte sind die dasselbe bedeuten. Ich würde in gegebener Situation vermutlich dastehen und mit den Schultern zucken, mir vielleicht ein ääh herauswürgen. Nichtmalen ist auch malen. bzw Nichtmusizieren ist auch musizieren.
11. Was erhoffen, wünschen Sie sich vom diesjährigen Festival?
Ich hoffe das wir alle Spass haben. Das das Leipziger Publikum Lust hat auf das Festival und sich mit mir darauf freut. Das Dresden und Berlin gut anlaufen.
(LVZ, Annika Ross)
Peter Piek im Interview fuer Motor.de / Motor Story
PETER PIEK
Peter Piek: I Paint It On A Wall - Zu Gast beim Liedermaler Peter Piek
Nichts für Kunstbanausen: Bei Songwriter Peter Piek liegen Musik und Malerei ganz nah beieinander. Alles was zählt, ist die Schwerelosigkeit.
Mitten in einem Gewerbegebiet im Leipziger Norden befindet sich das Domizil von Peter Piek. Umgeben von KFZ-Dienstleistern und Tabledance-Bars hat sich der Künstler ein moderates Eigenheim mit Atelier eingerichtet, welches nicht nur nach Farbe riecht, sondern vor allem nach Pop. Musik und Malerei - jene beiden Kulturformen hängen für den 29-Jährigen untrennbar miteinander zusammen. Peter Piek hört Farben, malt Töne, bringt den Rhythmus auf die Leinwand, malt Songs von U2 und Neil Young.
Geboren wird Peter Piek 1981 als Peter Piechaczyk im damaligen Karl-Marx-Stadt. Während seiner Jugend entdeckt er neben dem Klavier und der Gitarre auch Pinsel und Mischpalette. Mit seinen Bildern ist er mehrfacher Sieger der Jugendkunstbiennale, stellt später in diversen deutschen sowie internationalen Galerien aus. Parallel klopft er am Musikmarkt an: Mit seiner Begleitband The Colours reist er durch ganz Europa und quer durch die USA. 2008 erscheint Pieks Debütalbum "Say Hello To Peter Piek". Nun legt der Wahl-Leipziger seinen zweiten Longplayer "I Paint It On A Wall" vor. Ohne Zweifel: Auch auf der neuen Scheibe schütteln sich Malerei und Musik wieder die Hände. Diesmal sind mehr Farben und dickere Pinsel im Spiel.
Auf seinem neuen Album befinden sich 13 Songs, welche vielschichtiger und aufwendiger aufgenommen wurden als die des Erstlingswerkes. Die Stücke sind gespickt mit Piano- Streicher- und Saxophoneinlagen, welche im Zusammenspiel mit Peters markanter, hoher Stimme immer für unerwartete Momente sorgen. Den Hörer erwarten eingängige Stücke wie "I Sleep Beneath The Golden Tree" oder "Feel The Love" aber auch langsamere Lieder wie beispielsweise das charmante Liebeslied "Elli".
Wir trafen den Künstler in seinem kleinen Reich und sprachen mit ihm über die Beziehung zwischen Pinsel und Gitarre, sein Verhältnis zum Leipziger Star Neo Rauch und die Schwerelosigkeit in der Kunst. Ein Bild hat er auch für uns gemalt.
motor.de: Peter, ist es schwieriger, einen Song zu schreiben oder ein Bild zu malen?
Peter: Wenn man etwas kann, ist es eigentlich immer leicht. Manchmal ist es aber auch schwer - also sauschwer und leicht zugleich. Es gibt da keine Gesetzmäßigkeiten. Es kann Jahre dauern, einen Song oder ein Bild fertig zu malen. Es kann aber auch ganz schnell gehen und in einer Viertelstunde schon fertig sein. Die Mechanismen funktionieren in der Malerei und beim Songwriting gleich. Man möchte ausbrechen, ohne einzubrechen. Man versucht einen Schritt weiterzugehen, gleichzeitig seinem Ziel treu zu bleiben, und dieses aber auch stetig zu entwickeln.
motor.de: Was denkst Du, wo liegen die Zusammenhänge zwischen Malerei und Musik?
Peter: Die liegen überall. Schau Dir mal das Bild an (zeigt auf ein Bild an der Wand): Man hat eine untere Ebene, die ist weiß und gelb. Dieses Gelb zieht sich komplett und diagonal durch das Bild, erzeugt eine abgegrenzte Fläche. Gelb und Weiß - das ist wie eine Strukturebene. Das könnte man jetzt mit Strophe und Refrain vergleichen. In der Musik hat man ja auch eine Überlagerung von Instrumenten. In den Bildern hat man dann halt eine Überlagerung von Flächen und Ebenen. Das ist dann wie in der Musik: Man hört das Gesamte und das Einzelne verschwimmt darin. Das Bild stapelt sich genau so auf. Die fetteren Sounds sind die größeren Elemente auf den Bildern, zum Beispiel der Bass.
motor.de: Diese Erkenntnisse wendest Du ja regelmäßig an, indem du Bilder zu Liedern malst, Es gibt ganze Bilderserien zu Songs von U2 und Neil Young ...
Peter: Ich habe zu Neil Young, U2 und auch zu Velvet Underground eine Bildserie gemalt. Das ist schon eine Weile her, als ich noch nicht in der Schwerelosigkeit angekommen war und mir dachte, dass ich durch diese tollen Songs viel über Malerei lernen könnte.
(Geht ins Lager und sucht nach Bildern)
Bei diesen Bildern da hinten habe ich versucht, mich speziell auf den Text meiner Lieder zu beziehen und einen gewissen Rhythmus daraus abzulesen. Das sind natürlich alles Teilaspekte der Songs und natürlich steht so ein Song für sich alleine. Das finde ich auch gut. Man kann den Song hören, das Bild ohne Musik sehen und doch ist beides eben immer da. Dazu lassen sich natürlich im Zwischenraum noch viele Dinge entdecken. Die Schwerelosigkeit im Bild ist eine Idee aus der Musik. Die Idee, die meine Malerei wie sonst nichts verändert hat.
motor.de: Hat sich in der Zeit seit Deinem ersten Album in puncto Malerei oder Songwriting etwas geändert? Wenn ja, kann man dies auf dem Album hören?
Peter Piek: Was Malerei angeht, hat sich bei mir sehr viel entwickelt. Eben die Idee des schwerelosen Musikbildes. Das hat das Bild total verändert. Das muss man sehen. Soundtechnisch gab es auch ein paar Veränderungen. Es ist rhythmischer geworden, weniger flächig. Die Fläche ist in der Musik eher zur Struktur geworden, ist also jetzt noch breiter aber nicht mehr für sich wahrnehmbar. Das ist eine Idee aus der Malerei, die sich jetzt in der Musik wiederfindet.
motor.de: Wie wird im Allgemeinen deine Kunst wahrgenommen? Du hattest da ja mal eine ganz besondere Begegnung mit dem Leipziger Malerstar Neo Rauch...
Peter: Ja, beim Rundgang der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst hatte ich ein Bild ausgestellt, ein ziemlich gutes, aber irgendwie auch hässliches. Ich finde durchaus, dass hässliche Bilder gut sein können. Neo hat sich als Fan meiner Musik geoutet, meint aber, dass er mit meinen Bildern gar nichts anfangen kann. Er hat gesagt, dass er – wenn er dazu fähig wäre – genau solche Musik machen würde wie ich, was ein tolles Kompliment war. Bei diesem Rundgang meinte er aber auch, mein Bild sei das schlechteste gewesen. Es sei überhaupt keine Malerei, sagte er. Aus seiner Sicht ist das völlig richtig – er macht halt etwas ganz anderes. Das bedeutet doch nur, dass ich es seiner Meinung nach geschafft habe, etwas völlig eigenes und unabhängiges zu kreieren, mit dem ich dazu noch wiedererkennbar bin. Und da wiederum sind wir einer Meinung. Ob das nun schön oder hässlich oder ryhthmisch ist, spielt dabei keine Rolle. Das ihm das nicht gefallen kann, ist klar.
motor.de: Was wäre Dir lieber? Ein Lob für deine Bilder von jemandem wie Neo Rauch oder Zuspruch von einem großen Musiker, wie Deinem Idol Neil Young?
Peter: Kritik ist mir sehr wichtig und ich bin froh, dass es Menschen gibt, die mich gut kennen und mich sinnvoll kritisieren können, sodass es mir etwas bringt. Ein Lob von Neil Young wäre natürlich geil. Klar. Generell ist es toll, gelobt zu werden. Es ist toll, da es bedeutet, dass sich die Leute mit deinen Sachen auseinandersetzen.
motor.de: Nun das Ganze einmal umgedreht: Mal angenommen, Du müsstest ein Bild von Rauch vertonen. Wie würde das klingen?
Peter: Puh. Es würde klingen wie es aussieht. Ich denke, da würde nicht viel Musik bei herauskommen. Ich kenne seine Sachen nicht so gut. Aber von dem, was ich weiß, würde es sich alles sehr barockmäßig anhören. Es sieht auf jeden Fall nicht nach Rockmusik aus, sondern eher opernhaft. Ja. Oper passt vielleicht am ehesten. Wo sich Dinge zuspitzen und sich am Schluss alle umbringen. Nur dass sie sich eben nicht umbringen. Die Stelle in der Oper, wo es losgeht, spannend zu werden. Da wo der Dirigent den Taktstock zum Höhepunkt ansetzen will. Nur er tut es eben nicht. Er bleibt eben die ganze Zeit kurz davor es zu tun. Das ist cool. Mir gefällt das. Mit Musik hat das aber nicht viel zu tun. Nicht wie ein Song, wo es über Liebe oder Farben geht.
motor.de: Wie würde denn ein nahezu anarchistischer, von allen Normen losgelöster Künstler wie Jonathan Meese klingen?
Peter: Ich stelle mir da ein kräftiges Schlagzeug vor, verdammt laut, eigentlich hauptsächlich laut mit dilettantisch gespielten Instrumenten. Das würde aber spannend sein. Es wäre vielleicht keine gute Musik im Sinne von „gut gespielt", aber doch innovativ.
motor.de: Also doch eher der totale Kontrast zu Deiner Musik...
Peter: Schon. Ja. Ich nehme meine Lebensfreude ernst und versuche mich zum Positiven hin zu entwickeln. Momentan versuche ich etwas weniger zu machen. Das aktuelle Album ist ja vollgestopft mit Arrangements, vielen Ideen, ganz vielen Sachen halt. So versuche ich nun, mich davon zu verabschieden. Aber es klappt irgendwie nicht. Im Gegenteil.
motor.de: Wie gehst Du eigentlich vor, wenn Du ein Lied malst?
Peter: Man müsste eigentlich erst ein neues Wort erfinden für das, was ich mache. Es gibt keine Spielregeln dafür, man hat eine Idee für den ersten Schritt, eine Grundkonzeption vor Augen. Man fängt an mit dem ersten Riff oder so. Dann arbeitet man das aus. Sobald man angefangen hat, zu malen, ist man nicht mehr frei. Man muss nämlich auf das antworten, was man hört. Das Bild oder der Song malt sich dann quasi selber. Selber aber aus mir heraus.
motor.de: Lass uns das mit dem Liedermalen doch einmal ausprobieren! Wir spielen Dir einen Song vor, und Du versuchst, ihn zu malen. Nehmen wir einfach mal "Everything In Its Right Place" von Radiohead.
Peter: Okay.
Radiohead - Everything In Its Right Place
(die Musik läuft, Peter hört aufmerksam zu)
motor.de: Klingt doch voll grau, oder?
Peter: Na ja, Grau höre ich noch nicht so heraus, eher so ein warmes Braun oder ein Gelb. Es ist zumindest extrem dicht...
(wir spielen den Song weitere Male ab, Peter malt mit Buntstiften auf ein A3-Blatt)
Nach ungefähr einer Viertelstunde ist das kleine Kunstwerk fertig - Voila:
(David Raetsch fuer Motor.de Juli 2010)
zum artikel bei motor.de
Interview mit Peter Piek für Dock31
Peter Piek ist Maler, Schlagzeuger, Gitarrist, Songwriter und noch so einiges mehr. Seine unverwechselbare Stimme und seine Arrangements machen seine Musik einzigartig. Als dann Vorhang auf für Peter Piek!
Seit wann machst du schon Musik?
Musik mache ich schon sehr lange. Angefangen hat alles mit einer Klavierausbildung, da ich aber nur ein Keyboard hatte, kam ich auch sehr schnell an die Grenzen elektronischer Klangerzeugung. Ein Keyboard ist eben kein „lebendiges“ Instrument. Es ist festgelegt auf ein bestimmtes Spektrum an Tönen das es auch ausfüllt, aber das hat mir dann irgendwann nicht mehr gereicht. Deswegen habe ich das Keyboard auch schnell hinter mir gelassen und mich Schlagzeug und Gitarre/Bass gewidmet, weil es da fast keine Grenzen mehr gibt, weder in der Tonhöhe noch in der Klangfarbe, man ist völlig frei.
Gibt es Peter Piek nur als Solokünstler oder gibt es auch eine Band?
Natürlich gibt es auch eine Band und zwar „The Colours“, zusammen also „Peter Piek and the Colours“. Die Besetzung ändert sich hier und dal, aber momentan besteht die Band aus Christian Schönholzer einem genialen Schlagzeuger aus Bern und Lucka, einem Bassisten aus Münster. Wir sehen uns nur bei Touren
wie jetzt demnächst im Oktober und November. Da die beiden Profimusiker sind, müssen wir eigentlich nicht proben, das würde aufgrund der recht großen Entfernungen nach Leipzig ohnehin keinen Sinn machen.
Was ist der Vorteil mit Profimusikern zu arbeiten?
Na ja mit Profimusikern muss man gar nicht proben, was bei, ich sage mal semiprofessionellen Musikern eher öfter sein muss, gerade wenn man eine Tour plant. Wenn sich dann alle nur bei der Tour treffen ergibt sich aber auch musikalisch ein ganz anderes Bild, weil sich jeder in die Songs noch mal anders einbringt. Jeder Musiker klingt an seinem Instrument ja auch unterschiedlich, was den Songs live dann einen ganz anderen Charakter verleiht.
Kommen wir mal auf deine Tonträger wie viele gibt es denn bis jetzt?
Ich habe schon mehrere CD´s aufgenommen, aber es gibt bis jetzt nur eine richtig offiziell veröffentlichte Platte und zwar „Say Hello To Peter Piek“, die bei Beathotel erschienen ist. Alle anderen vorher habe ich selbst produziert, aber die sind jetzt sozusagen ausverkauft, weil sie mir vor allem selbst nicht mehr gefallen haben. Das heißt aber nicht, dass die alten Songs, die gut waren, jetzt in einer Schublade verschwunden sind. Sie werden dann bei neuen Aufnahmen nochmal neu eingespielt. So wie bei der Platte die ich gerade aufgenommen habe, da sind auch mehrere ältere Songs mit dabei.
Zur neuen Platte; Was wird uns erwarten?
Insgesamt sind es 18 Titel, zum Teil auch ältere Songs. Wir sind auch gerade erst mit den Aufnahmen fertig und müssen jetzt noch Gesang aufnehmen. Im Gegensatz zu den anderen Alben habe ich aber diesmal nicht alle Instrumente eingespielt, sondern nur Gitarre und Bass. Das Schlagzeug hat mein Christian übernommen. Außerdem habe ich diesmal auch auf sehr viele Gitarrenspuren verzichtet und das hat die Musik auch klarer gemacht. Weniger ist eben doch auch mehr....
Wann wird sie erscheinen?
Ich hoffe natürlich am Ende diesen Jahres, so dass wir sie auch gleich mit auf die Tour nehmen können, aber nach dem Gesang und den Streichern muss noch gemixt und gemastert werden und die ganze Labelthematik geklärt werden. Ein Name für das Album ist auch so ein Punkt. Es gibt verschiedenste Überlegungen aber noch nichts Festes. So richtig zuversichtlich bin ich deshalb nicht dass es dieses Jahr noch klappt, aber vielleicht gibt es ja eine Anpressung, die wir mit auf Tour nehmen können.
Wie schreibt Peter Piek eigentlich seine Songs?
Also ich muss keine halbe Flasche Wodka trinken, um einen Song schreiben zu können, das ist alles eher prozesshaft. Es gibt die spontan Geschriebenen aber auch Songs an denen ich jahrelang arbeite zum Beispiel an „People We Arent Free Enough“ habe ich insgesamt 6 Jahre geschrieben (das Video ist auf der Website zu sehen d.Red.). Bei den Texten ist es ähnlich manche sind ganz schnell da, bei anderen muss man etwas länger basteln. Letzten Endes sind es immer die Erkenntnisse und Einsichten des Peter Piek in Ausschnitten.
Du hast vor kurzem den Titelsong für einen Animationsfilm geschrieben, für „Laufende Geschäfte“ von Falk Schuster, wie war das für dich?
Das Gitarrenriff habe ich recht schnell gefunden , dann kam der Refrain eigentlich sehr schnell dazu. Ich hatte auch noch ein Klavierstück bei dem ich mich immer gefragt habe was man eigentlich damit machen könnte und das passte unglaublich gut zur Gitarre. Der Text ist letztlich dadurch entstanden, dass ich Falk ausgefragt habe worum es im Film geht und was ihn persönlich daran bewegt, also was er mit dem Film ausdrücken will, der Rest war nur noch runterschreiben.
Noch eine abschließende Frage: Du hast ja eine sehr unverwechselbare Stimme; hilft dir das?
Helfen kann man nicht sagen. Meine Stimme polarisiert sehr stark. Es gibt Menschen die sie genau so mögen wie sie ist und andere die sie gelinde gesagt nicht leiden können. Bei grossen kommerziellen Musikverlagen, wo ich immer mal im Gespräch war hat mir meine Stimme deswegen eher geschadet, weil dort Gremien entscheiden und wenn sich nur 2 von 5 für so eine Stimme wie meine einsetzen, dann kommt man da eben auch nicht weiter, aber ich habe und werde bei dem neuen Album sehr intensiv an der Stimme arbeiteten. Sie bleibt aber trotzdem unverwechselbar, eben Peter Piek...
Dock31, September 2009
Spiel mit Farbklang und Klangfarbe - Peter Piek im Portrait bei Deutschlandradio Kultur
Von Marcus Weber
als mp3 downlaoden
Kann man Farben hören? - Klar, sagt der Chemnitzer Künstler Peter Piek.
Er versucht, Musik und Malerei zu verbinden.
Mit seiner Band "Peter Piek & the Colours" gab er im vergangenen Jahr deutschlandweit über 70 Konzerte.
Und wenn er mal nicht unterwegs ist, dann malt er rhythmische Bilder.
"Also als Musiker hieß ich ja Peter Stone, ein schrecklicher Name,
wahnsinnig beschissener Name, aber auch egal.
(lacht) Und den Maler, da hab' ich einfach den alten Namen weitergenutzt:
deutsch ausgesprochen Piechaczyk.
Ist aber ein polnischer Name und wird eigentlich Piechaczyk ausgesprochen."
Vor sieben Jahren hatte er begonnen, sich verschiedene Namen zu geben,
eine Art Persönlichkeitsspaltung,
um den unterschiedlichen Quellen seiner Identität nachzugehen:
Musik, Malerei und noch manch anderes.
Heute, sagt er, haben sich die Flüsse zu einem Strom vereinigt.
Und heute heißt er Peter Piek.
"Ich bin Maler und Musiker also beides zusammen.
Versuch' beides zu verbinden, und das ist auch so meine Vision,
also ein gemeinsames Werk aus Malerei und Musik.
Ich spüre, dass da was möglich ist, dass ich da was machen kann."
"In der Malerei ist es der Farbklang und in der Musik ist es halt die Klangfarbe,
das ist jetzt nicht so ein großer Unterschied erstmal.
Und das hat eigentlich genau dieselben Eigenschaften:
hell, dunkel, harmonisch, disharmonisch - das hast du halt alles in Farben und
so wie auch in der Musik."
In seinem Probenraum hängen seine Bilder. Wenn er malt, hört er Musik. -
Es existieren ganze Bildserien zu Alben von Neil Young oder U2.
Piek nennt es rhythmische Malerei. Abstrakt, mit wilden Pinselstrichen,
Farbklecksen, chaotisch manchmal und verstörend.
Überall auf den Bildern gibt es Freiräume, auf denen die leere Leinwand zu sehen ist -
das ist die Pause im Bild.
"Meine Bilder sind halt sehr locker,
bestehen halt aus vielen rhythmischen Elementen.
Und die rhythmischen Elemente existieren natürlich nur,
weil sie auch die Pause mit einbeziehen.
Also Rhythmus, Musik würde ja ohne Pause gar nicht funktionieren.
Und das löse ich halt im Bild so,
dass die Pause als definierte Fläche mit einbezogen wird."
Etwas frierend steht der 26-Jährige in seiner großen Leipziger Wohnung,
in der er allein wohnt.
Das Atelier und den Probenraum zu beheizen,
würde mehr als die Miete kosten, sagt er,
öffnet die Tür zum warmen Wohnzimmer und setzt sich an die Heizung.
Piek ist lang und hager;
das Gesicht schmal, eingerahmt von glatten, braunen Haaren.
Eine schwarz-weiße Katze springt auf seinen Schoß.
Er erzählt von seiner Kindheit in Karl-Marx-Stadt.
"Ich hab' als Kind gestottert.
Und es hat mich auch sehr beeinflusst, auch bis heute noch.
Also ich sprech' immer so komisch abgehackt manchmal,
so komische Pausen drin, also ich rede so seltsam rhythmisch. Wie jetzt. (lacht)
Aber früher war es so, dass ich nur mit wenigen Leuten reden konnte.
Und dadurch ist auch so eine Notwendigkeit entstanden nach einem Kommunizieren nach außen hin."
Seine Eltern arbeiten in der Wirtschaft und haben mit Kunst wenig im Sinn.
Es ist seine Großmutter, die ihm - mit sieben, acht Jahren - die Museen der Stadt zeigt.
Beeindruckt von Expressionisten wie Schmidt-Rottluff und Kirchner beginnt er zu malen. -
Er nimmt Klavierunterricht und spielt Gitarre.
"Die ersten drei Akkorde, die ich spielen konnte,
aus denen hab' ich halt den ersten Song gemacht.
Der hieß "Hey du". Das ist ein schrecklicher Song, ganz schrecklich. (lacht)
Aber man muss ja mal anfangen."
Inzwischen sind mehrere Alben entstanden;
das letzte, "Say hello to Peter Piek", hat er komplett selbst eingespielt:
Gitarre, Bass, Schlagzeug, Klavier und Gesang.
Seit kurzem hat er einen Plattenvertrag und mit seiner Band
"Peter Piek & the Colours" gibt er über 70 Konzerte im Jahr.
Für seine Bilder bekommt Piek bisher weniger Anerkennung.
Zwar beginnt er 2002 ein Studium an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst;
doch seit dem Vordiplom lässt er es ruhen,
weil er mit den Kunst-Vorstellungen seiner Professoren nicht zurechtkommt. Oder umgekehrt.
Letzter Höhepunkt des Konflikts:
Ein Gespräch mit dem Star der Leipziger Malszene, dem Professor Neo Rauch.
"Also, Neo Rauch hat letztens gesagt, beim letzten Rundgang,
dass mein Bild das schlechteste Bild war beim gesamten Rundgang (lacht)
und dass es kein Bild wäre. Es wäre kein Bild, hat er gesagt."
Immerhin, sagt Piek grinsend, habe ihm Rauch damit bestätigt,
dass er eine eigene, wieder erkennbare Bildsprache habe.
Um die zu finden, hatte er 2003 mit seinem Freund Michael Goller
die Künstlerinitiative "Malfront" gegründet und sich einen eigenen Studienplan aufgestellt.
"Also, wir haben immer versucht, eine bestimmte Hürde zu überwinden.
Es gab für mich wirklich früher die Hürde, wo ich gesagt habe:
Ein Bild muss schön sein, ein Bild darf nicht hässlich sein.
Genau deswegen haben wir versucht, hässliche Bilder zu malen.
Um halt festzustellen, dass hässlich genau dasselbe ist wie schön.
Also wir haben halt quasi die Hässlich-Schön-Hürde damit überwunden,
und sind weiter ins Bild vorgekommen,
weil es im Grunde genommen nicht um hässlich oder schön geht."
Sondern, sagt Peter Piek:
Es gehe darum, den Menschen mit Musik und Malerei Freude am Leben zu vermitteln
und die Welt zu besser machen.
Das Portrait würde am 05.03.08 um 10Uhr50 gesendet
Peter Piek spricht ueber seine Bilder, Mai 2008
Imterview von Radio Mephisto 97,6; gesendet am 15.05.2008 gegen 19Uhr
als mp3 downlaoden und hoeren
Peter Piek im Gespräch mit Michael Goller, Jan 2007
Peter: Hallo
Mikey: Peter Piek ist jetzt ungefähr ein Jahr alt, ein Alter, indem sich Motorik und Sprachvermögen sprunghaft entwickeln. wie fühlt man sich da?
Peter: hehe. Ja ein Jahr erst. Die Zeit vergeht nicht schnell. Was ist in einem Jahr alles möglich. Fühlt sich gut an!
Man lernt viel dazu und das macht enorm viel Spaß!
Mikey: Nun ist es gerade das Stadium, indem Bewegung und begriffliches Verständnis auseinanderdriften, sich differenzieren...
Mikey: und Peter piek will es zusammenbringen?
(21:04) Peter: Ja. Aber das Auseinandertriften dient ja trotzdem dem Einen Ganzen! Man muss das Gehen gehen wie man das Malen malen muss.
Im Bild gelingt es, wie in der Musik, über die Ebene
Mikey: Ok, ich fange jetzt einfach mit Parallelfragen an:
Welche Themen bewegen den Songwriter Peter Piek 2007?
Peter: Jetzt habe ich gerade einen Song geschrieben. Er heißt: 'Let Me Take You Down Lonesome Man' Es ist eine Geschichte aus meiner Kindheit, die ich da erzähle. Ich versuchte mich hineinzufühlen. Ich kenne viele einsame Menschen. Für die ist der Song. Und dann dieser Konflikt mit der Natur.. Das offene Auge. Das Hinwegsehen. Diese Ohmnacht vor allem auch gegenüber sich Selbst.
Peter: Ich weis nicht recht wie ich das ausdrücken kann. überlege aber schon lange daran rum. Weist du das einzige was mich davon abhält wenig Treibhausgase zu produzieren ist mein kleiner Geldbeutel. so sieht das aus.
Peter: Man müsste mal ein Buch schreiben in dem Die Helden nicht Privatjets fliegen sondern mit Ihren Kindern im Hof spielen!
Peter: Der Kapitalismus betrügt uns und raubt uns mit seinen Mitteln den Verstand. macht uns zu Konsumenten. Ich gehe gern einkaufen. (Vor allem lebensmittel)
Welche Themen bewegen den Maler Peter Piek 2007?
(21:23) Peter: Das ist natürlich spezifisch auf den text. Musikalisch will ich viel ausprobieren. besonders mit verschiedenen Rhythmen. Auch Strukturell könnte sich etwas tun. Aber es zieht mich eher zu einer Vereinfachung. Aber da ist es ja auch so eine Sinusbewegung bei mir.
Peter: Das ist es auch in Der Malerei
Mikey: Warum sollte ich mir die neue CD unbedingt anhören
Mikey: ?
Peter: Ich würde denke ich gern noch mehr von dem Repertoir zusammenbringen. Eine Klanglichere Dichte erzeugen. Und diese Kontrastieren zu drei oder vier stehenden klängen. Ring
Peter: Und dann mal sehen, wo am meisten zu holen ist.
Peter: Das wichtigste Für den Anfang dieses Jahres ist peewee Princess of the dau & deh, wo ich versuche Mittels eines Songs und Bildern ein Gemeinsames Schaffen will
Peter: Die Cd?
Peter: Es ist eine sehr gute Cd. Viele Hits drauf. Ich hab mein bestes gegeben, so viel kann ich sagen.
Peter: Was meinst du über die Cd?
Mikey: Mir sind am meisten die Robben aufgefallen. Magst du Robben?
Peter: Oh ja!!
Peter: tolle tiere!
Mikey: bedrohte Tierart
(21:33) Peter: Wie viele wunderbare Lebewesen sind schon ausgestorben. hab eben Lems erstes buch zu Ende gelesen. In dem buch haben sich die Venusbewohnen umgebracht, weil sie die erde vernichten wollten und mit den tödlichen extra für uns gebauten Waffen ein Missgeschick passiert ist, und alles bei denen hoch ging. Die Menschen die dann die Venus besuchen finden nur noch verkohlte Schemen. Tja dumm gelaufen.. Wir arbeiten allerdings an einer ähnlicher Selbstvernichtung!
Peter: Robben können auch im trüben Wasser klar sehen. das Wasser ist wie eine linse für die!
Peter: das ist doch toll nicht wahr
Peter: wir sehen nur verschwommen. trüb. und die: alles ganz klar!
Mikey: Warum sollte ich mir die nächste Ausstellunge unbedingt ansehen?
Peter: Denen ist es einfach klar. nur wie können sie es den anderen sagen?
Peter: Weil sie anders sein wird als alles was es sonst zur Zeit zu sehen gibt.
Peter: So Lebensfroh und lebendig.
Peter: Und natürlich weil sie befreiend wirkt.
Peter: jedenfalls hoffe ich das. und weil sie Lösungen bieten kann. und Anregungen
Peter: wie in dem song: 'people we aren't free Enough'..
Peter: Weil man mit neuen lebensformen in Kontakt kommen kann, und sich mit ihnen unterhalten
Peter: Was fällt Dir an den neuen Arbeiten auf?
Mikey: eine gewisse "Piekisierung"
Peter: Ich brauche noch Zeit. aber die habe ich ja. Viel Lust zum malen. Noch 4 Bilder für das Malfront-Diplom. Schwangerschaft.
Peter: Piekisierung?
Mikey: Gefällt dir das Wort?
Mikey: Die ganze Welt mittels Malerei Piekisieren...
Mikey: lapsus: Piekisieren
Peter: Weis nicht. kling gut. aber was bedeutet es?
Mikey: gute frage. "betrachten wir die Bilder" (zitat fr. Gille)
Peter: Ok!
Mikey: was bedeutet Piekisieren? eigentlich eine frage an dich...
Peter: Pff. Aber eine sehr schwierige. Aber gut. Ach ja na klar.: Piekisieren bedeutet Befreien und (wieder)vereinigen. wie findest du das?
Peter: es könnte auch rhythmisieren und aufbrechen bedeuten.
Peter: was dann dazu führt.
Peter: oder es bedeutet: unterjochen. das Universum ein gigantisches Refugium an Sammlern und Konzertticket Käufern. :-)
Mikey: :-)
Peter: Vielleicht bedeutet es auch die Synthese aus Malerei und Musik und Menschsein in einem.
Mikey: wie ist das beim malen mit den Robben?
Peter: Die Robben können leichter in Gefilde vordringen, in denen es schwierig ist zu erkennen.
Jan. 2007
Peter Piek im Interview mit Mike Wassermann, 21.12.05
MW: tja Pieksy, lange nicht gesehen... vor zwei jahren haten wir unser letztes interview.
Was hat sich seitdem bei Peter Piek getan?
PP: na ja. bin älter geworden.
MW was heisst das für deine Musik, Älterwerden?
PP: Älter werden bedeutet bis jetzt jedenfalls das ich jünger klinge. früher klang ich viel älter.
MW: wie alt ist eigentlich peter piek?
PP: weis nicht genau. Meistens auch 12. mal 24. mal 36. je nachdem. mal 21. mal 34.
MW: ein interchronologisches chamäleon?
PP: ja. sozusagen.
MW: neben welchen Alben würdest du bei deinen Fans dich im Musik-regal am liebsten wiederfinden?
PP: zwischen dem 2. Album von Led Zeppelin und 'everybody knows this is nowwhere' von Neil Young. Oder zwischen
'definitely maybe' von Oasis und 'highway 21 reviseted' von Dylan. Oder zwischen 'urban hymns' von the Verve und
'axis' Von Hendrix. Oder zwischen 'mary star of the sea' von zwan und mmh 'Supergrass' von Supergrass.
Oder neben Gemmma Hayes. Sie ist toll.
MW: so in etwa steht dein Album auch in meinem Regal. vielen dank noch mal für die CD.
PP: cool cool.
MW: beim hören fiel mir ein veränderter Sound auf. klarer wie ich finde. hat das mit deiner neuen band zu tun?
PP: ja und nein. Ich hab viel von der neuen Band gelernt. Allerdings hab ich ja auch bei den neuen Aufnahmen fast
alles selber eingespielt. ich versuche jetzt alles zu reduzieren. auf das wichtigste. dann kann man alles nachvollziehen.
allem folgen. dadurch rockt es mehr. denke ich..
MW: wie heisst eigentlich das bald erscheinende album?
PP: ich weis es noch nicht. ich nehme zwar viel auf. in der letzten zeit. aber es gibt noch viel zu tun. auch weiss ich noch nicht,
ob ich erst ein unplugged-album herausbringen will. ich muss ein Label dafür finden. ach Stress. fuckmist. Ich mache auch gerade
Musik für ein Buch. ich müsste mich schnell clonen um alles zu schaffen. Ich hatte aber ein paar Ideen für einen Titel.
'tell me something about rock'n'roll peter' wäre einer davon und dann siehst du auf dem cover jesus so halb von hinten mit
Heiligenschein in einem Raum voller Gitarren und Amps und so. und ich bin mit ihm am Tisch beim Schach spielen und er hat eine
Sprechblase, wo dieser Titel drin steht. wie findest du das?
MW: Welche Rolle spielt Religiöses für dich, Peter?
PP: religiöses. ich bin schon irgendwie religiös. sehr sogar. aber ich gehöre keiner Religion an wie man sie so kennt.
ich finde sie oftmals sogar zum erbrechen. nicht an sich. aber die art wie der glaube gelebt und misbraucht wird kotzt mich an.
ein kleines Beispiel. vor kurzem bin ich mit Mitfahrgelegenheit zum auftritt gefahren. und das Mädchen das mich mitgenommen hat
war sehr gläubig wie sie sagte. sie meinte sie wuchs auf dem land auf und hat dadurch viel Mitgefühl und menschliches mitbekommen.
dann weiter im Gespräch (wir haben über alles geredet. über ihre Unterw�sche und so) stellte sich heraus das sie die Nazis gewählt
hat und Ausländer hast. da dachte ich mir nur noch. Hallo! geht's noch? Menschlichkeit? das meine ich. das ist alles eine
verlogene Scheisse mit den Religionen. ich hab meinen eigenen Glauben. Gott? Wer ist das? Ich würde mich freuen wenn es einen gäbe.
aber es kommt mir überhaupt nicht so vor.
MW: Ok, was würdest du jesus fragen - beim Schachspiel?
PP: hmm. die Gelegenheit mit jesus Schach zuspielen und mit ihm reden zu können sollte man nutzen. Ich würde ihn fragen ob es
ihn ankotzt das die Menschen immer jemanden brauchen, denen es schlechter geht, um sich gut fühlen zu können. ich meine er hing da an
seinem kreuz blutend. und vielen Menschen geht es seit dem besser deswegen. hmm. - ob ihn es stört, dass die Menschen sich an
des anderen leid freuen würde ich ihn fragen. und ob er denkt das es gut gelaufen ist. und was er über Gott denkt.
Ob er ihn gut findet. Und ob er es seltsam findet warum ein ehemals lebendiger Mensch von Fleischlichen Eltern dann auf einmal der
Sohn Gottes genannt wird. Nur weil das gerade gut passt. Und wenn es keinen Gott gibt, und der logischerweise keinen Sohn haben kann würde
ich ihn fragen wer seine Eltern waren. Und ob er eine Freundin hatte. Und vielleicht Kinder. naja und sonst so das übliche.
ob er Rockmusik mag. und ob er sich für rhythmische Bilder interresiert.
MW: welchen song würdest du für jesus spielen?
PP: 'du fehlst mir'. du weist schon: Schnecken kriechen über Felder aus Obst .... zeit läuft allmählich rückwärts vorbei...
oh man es schifft übelst.
MW: peter piek auf der suche nach erlösung?
PP: ja. scheint so. - ja.
MW: Unplugged Peter. Viele sagen, unplugged bist du am besten.
PP: ja unplugged ist es auch noch reduzierter. das hat mich auch auf die idee gebracht den Bandsound auch zu reduzieren.
Unplugged hast du den reinen Song. das was es was ich auch mit band wollte. alleine kann ich auch alles besser so spielen,
wie ich es im Moment gerade fühle. schon vom tempo her.
MW: worum geht es in deinen neuen texten?
PP: viele der neuen Songs sind für den soundtrack zum neuen buch. und in den anderen. na ja ich fange jetzt an zu erzählen.
mit einigen texten versuche ich diesen vom inhalt zu befreien um ihn damit zur reinen musik zu machen. ich brüte das aus.
naja und manche sind nachwievor sehr persönlich. die brauche ich um sachen loszuwerden. es gibt immer noch viel was ich bis jetzt
nicht anpacken konnte. teilweise habe ich auch angst davor. es ist schwierig.
MW: Noch mal genauer peter. worüber schreibt der songwriter peter piek?
PP: über liebe. über menschen. über Robben und Fliegen
PP: über bilder!
MW: was für bilder?
PP: über die Bilder von Michael Goller und �ber meine Bilder. also über die von Peter P. und im speziellen über die dialogische Reihe
der 'Puppenspieler'.
MW: hast du lust, was zum thema malerei und musik- parallelitäten zu schreiben?
PP: oh ja. sehr gern sogar. ich glaube ja sowieso das meine bilder wie songs sind. und umgedreht. du hast den rhythmus, den song
mit der struktur. und dann die färbung die stimmung. die melodie und harmonie. oder disharmonie. alles im bild oder im song.
MW: Hier die nächste frage: was würde peter piek ohne musik machen?
PP: also wenn es keine Musik gäbe. dann würde ich sie erfinden. und wenn es sie gäbe und ich aus irgendeinem Grund keine Musik
machen kann. gelähmt oder so. dann wäre ich sehr traurig.
MW: ...wie wars denn in russland so, du hattst dieses jahr dort auftritte, peter?
PP: oh es war schön in russland. das puplikum war etwas älter, es sah jedenfalls älter aus in Russland verbrauchen die
Leute schneller. Es ist ein härteres Leben. aber sie sind sehr zu begeistern. Sehr freundlich. Wenn man ihnen näher kommt.
MW: peter, die morgenröte des rockstarruhms ist bestimmt schon ganz schön anstrengend. Wie gelingt es dir trotzdem dich abzuschotten
und alle Energie in deine Musik zu packen??
PP: (lacht) wenn man Musik schreibt und eine Menge 'Babys' hat, dann hat man eine menge verpflichtungen. sachen um die ich mich kümmern muss.
das ist eher was mich abhält. ich glaube viele leute haben angst vor mir. Es hat sich schon etwas geändert.
früher als ich noch komplett unbekannt war na ja hat mich kaum jemand gesehen. jetzt ist es oft so das leute ganz erstaunt sind und so einen.
ist er es wirklich blick aufsetzen. aber angesprochen werde ich selten. na ja ich mache nicht den eindruck als ob mich das freuen würde glaube ich.
manchmal stimmt das auch. manchmal nicht. nein das was mich abhält ist eher der lebenskram an sich. abwaschen und so.
Ich brauche eine Spülmaschiene.
MW: und malen?
MW: nein malen ist wie musik machen. schlafen hält ab. und sich und aber vor allem: sich um die musik zu kümmern.
ich schreibe einen song. das ist wie 5 -10 kleine bilder malen von der anstrengung her. das ist toll. und sie zu spielen auch.
aber ich bin hier ganz weit im untergrund. und muss alles selber machen. gigs besorgen emails schreiben. mich rumärgern.
mich rumärgern. aber ich weis wofür ich es tue. und dafür muss ich es tun. ansonsten hätte ich kein probleme.
MW: was würde sich peter piek für die nächste zukunft wünschen?
PP: ich bin ziemlich für mich gestellt. und hier im untergrund schon bekannt. das bedeutet nichts.
der gute song der bedeutet viel. und davon hab ich ganz viele.
bands die sehr bekannt sind würden sich darüber freuen und sie als hits verkaufen. ich kann sie nur an freunde verkaufen.
und das sind nicht viele. und die wollen sie noch geschenkt haben. ich würde sie ihnen auch schenken.
das tue ich ja auch. aber wovon soll ich dann leben? ich würde mir wünschen mich nur noch der kunst hingeben zu können.
es würde sich für alle hörer und betrachter lohnen. so viel ist sicher. ich wünsche mir mehr zuhörer.
ich glaube ich bin erst zufrieden, wenn jeder zweite erdenbürger peter piek hört. natürlich kann ich das nicht schaffen.
So ist wird das scheitern wohl ein teil des Seins. Aber hey. wenigstens habe ich ziele.
Die Unsterblichkeit. Das dürfte kein Problem sein eigentlich. (singt:) Time - is on my side..yes it is
MW: wie sieht ein normaler tag im leben des peter piek aus?
PP: ein ganz normaler tag? hmm ok.. also ich stehe nicht vor neun auf. aber auch nicht später. frühstück und so.
es gibt diesen normalen tag eigentlich nicht. stelle ich fest. nur das frühstück ist konstant. ich schiebe meinen Tag rum
wie ich will. aber ich mache jeden tag musik. schon die letzten 15 jahre. mit einigen wenigen ausnahmen.
meisten spiele ich gitarre. entweder fiedel ich nur rum. oder ich spiele songs. oder schreibe welche. manchmal spiele ich
meine klavier-songs. oder schlagzeug. gelegentlich probe mit wechselnden bands. dann entweder leinwand bespannen.
grundieren. oder bild malen. zwischendurch texte schreiben. ich mache künstlerisch nur das zu was ich auch lust habe.
und dann kommt das unschöne. wie vorhin schon angesprochen. wie gesagt ich müsste mich clonen. oder aufgaben verteilen an andere.
Oder es einfach sein lassen.
MW: peter piek als firma?
PP: als firma. mist. naja alles was man hat kann man auch verkaufen. so wird es ein produkt. da brauch man eine firma.
vielleicht gründe ich bald ein eigenes label. ist nicht schwierig. wie wäre es mit twelve records. was hälst du davon?
MW: klingt cool, wieso eigentlich zwölf?
PP: 12 ist eine sehr wichtige zahl. die wichtigste.
MW: ?
PP: ich kann es nicht genau sagen. aber es hat irgendetwas mit meinem glauben zu tun.
MW: kann ich verstehen.
MW: apropos verstehen, gibt es andere bands und musiker, mit denen du musikalischen austausch pflegst?
Zeitgenossen, meine ich, in le z.b.?
PP: ja schon. woodruff and the snibble of azimuth. Hier und da andere Bands. aber hauptsächlich tausche ich mich
mit meinen eigenen musikern aus. alle die mal mit mir zusammengespielt haben, haben mir was mitgegeben.
Ich hoffe ich ihnen auch. Mitmeinigen von ihnen schreibe ich songs zusammen. Zum Beispiel mit Michael Mohr. Er ist klasse.
Hat super ideen. Wir ergenzen und perfekt. da wo ich nicht weiterweis hat er eine bessere lösung als ich sie mir gewünscht hätte.
Und er hat eine menge guter riffs. ich helfe ihm sie zusammen zubauen. Wir sind in unserer zusammenarbeit erst am Anfang.
aber wir könnten ein super songwriterteam werden a la Lennon / Mc Cartney oder Jagger / Richards. Sorry.
Songwriter teams sind immer noch ein bisschen besser glaube ich. einen kleinen tick besser.
PP: weil immer einer ein wenig mehr abstand hat. und es anders betrachten kann.
PP: das Piek / Mohr songwriter team!
MW: peter, danke für das interview, signierst du mir noch die cd (gibt ihm die cd)
PP: jo na klar. danke auch dir. bis bald was?
Leipzig den 21.12.05
Kultur-Kanal Interview
Kultur-Kanal: Herr Piek, woran lag es Ihrer Meinung nach, dass die Werke zwar zuvor begutachtet und abgesegnet, nach der Premiere aber wieder abgehängt wurden.
PP: Man hat uns im Vorfeld freie Hand gelassen. Die Sparkasse, die den Katalog zur Ausstellung mit finanziert hat, hat wohl versäumt sich diesen auch anzuschauen.
Anders kann ich es mir nicht erklären. Das Konzept war bekannt. Die Sparkasse hat sich offiziell leider noch nicht zur Abhängung geäussert. Weder uns noch der Presse gegenüber. Ich mache mir sorgen über den Verbleib der Bilder.
Kultur-Kanal: Meinen Sie, dass es am Austragungsort lag? Ist eine Bank für provokative Kunst nicht geeignet?
PP: die Provokation war Teil des Konzeptes der Ausstellung. Die Räume sehr gut geeignet. Die Sparkasse befürchtete wohl mit kritischer Kunst einige Kunden unangenehm aufzustossen. Genau das, um was es uns ging ist den Bildern zum Verhängnis geworden.
Kultur-Kanal: Wie darf man denn die abgehängten Werke verstehen?
PP: Bei meinem abgehangenen Werk Nr.33 (a-e), welches im Zuge des Malfront-Plakativ-Quartesters entstanden ist, wollte ich so plakativ wie möglich malen. Ich wollte ein Bild schaffen was relativ klein im Format eine ungeheure "Weitwirkung" entfaltet. Vor allem aber sollte es malerisch sein. Es besteht aus mehreren Ebenen Rhythmus und einer Zeichnungsebene, die in diesem Falle aus Symbolen besteht. Ich wollte Symbole als wahrscheinlich plakativstes Mittel überhaupt verwenden, Suchte im Zeitkontext nach einem Schlüssssigen und Sinnvollem Zusammenhang.
Im Zuge der Zusammenarbeit mit Querschlag entwickelte sich nun das Bild zu einem fünfteiligem, mit Symbolen die jeder kennt, die ich aber ausdrücklich offen verstanden haben will. Schlüssel zum Verständnis des Bildes ist der fünfte Teil der Spiegel (das Objekt Spiegel ist gemeint). Der tiefere Inhalt des Bildes ist ungeheuer Komplex. Da kann man sicher halbe Romane drüber schreiben. Was ich nicht für meine Aufgabe halte. Jetzt wissen Sie also die Spitze des Eisberges. Nr.33 (a-e) sollte nur zur Vernisage hängen. An sich nach reichlicher Erklärung
durch eine Rede zur Eröffnung von der Leipziger Kunsthistorikerin Ina Gille unkompliziert. Es wurden am folgenden Tag aber alle Arbeiten der Ausstellung weggenommen wie zum Beispiel meine Blumenbilder. Michael Gollers A4 Bilder. Lyrische Fotos von Dirk Hanus und Arbeiten von Michael Knauth, die von der Sparkasse als pornografisch empfunden worden. Was sie meiner Meinung nach nicht sind.
Kultur-Kanal: Können Sie sich vorstellen, jemals wieder in einer Sparkasse auszustellen?
PP: Nein.
Kultur-Kanal: Herr Piek, wir danken Ihnen für das Gespräch!
Kultur-Kanal 6/12